Biskaya Überquerung

In so mancher Segelliteratur wir die Biskaya eher in Zusammenhang mit unberechenbarer See, Stürmen und sonstigen nautischen Horrorgeschichten in Verbindung gebracht. Fakt ist, Teile des Kontinentalschelfs liegen innerhalb der Biskaya. Das heisst, dass in dieser Region die Wassertiefe abrupt von 3000 m auf ca. 200 m ansteigt, was eine enorme Wellenbildung zur Folge hat. Werden diese Wellen dann zusätzlich reflektiert, entstehen stark getürmte, noch grössere Wellen. Kommt dazu noch ein Atlantik-Tief sollte man besser davon absehen in die Biskaya zu stechen.

Somit studierten wir die GRIB Daten und warteten auf ein passendes Wetterfenster. Auch kam es uns sehr gelegen, dass sich Martins Eltern für den Trip angemeldet hatten (beides erfahrene Segler).

Die Crew
Die Crew

Am 04.Aug.2016 war es nun endlich so weit, wir stachen wieder in See. Die Ausläufer eines Tiefs im Norden bescherten uns am ersten Tag noch ordentliche Wellen. Laut Prognosen sollten diese teilweise bis zu vier Meter erreichen. Und in der Tat, die Wellen waren beeindruckend hoch. Gefühlte 10 Meter, aber man neigt ja gerne mal zur Übertreibung. Somit zeichnete sich der erste Biskaya-Tag doch eher als herausfordernd an. Auch die Schweizer Crew musste sich zunächst an die vorherrschenden Bedingungen anpassen. So standen am ersten Tag Salzstängeli auf dem Speiseplan.

Je weiter wir jedoch aufs offene Meer hinaus fuhren, desto angenehmer wurde die Fahrt. Auch der Wind war abnehmend. Von anfänglichen 4 Bft. (Beaufort) kamen wir schliesslich auf halber Strecke in eine Flaute. Das hat uns aber allen ganz gut getan, wir konnten etwas entspannen und den Sonnenuntergang richtig geniessen.

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Nur diejenigen die für die Nachtschicht eingetragen waren, blieb dieser verwehrt. Und ja ihr habt richtig gelesen, wir haben Schichtarbeit eingeführt. Ein Begriff bei dem mir vor nicht allzu langer Zeit die Haare zu Berge standen, wurde nun zur Realität. Nur leider ohne Schichtzulage ;-). Im Vier-Stunden-Takt wechselten sich die Zweier-Teams jeweils ab.

Tag 2 der Überquerung glich dann eher einer Zürisee-Kreuzfahrt nur, dass keine nervigen Motorboote unsere Ruhe störten. Auch war von den 3-Meterwellen nicht mehr viel übrig. Lediglich der gleichmässige angenehme Atlantikswell begleitete uns. Es herrschte eine traumhafte friedliche Stimmung. Beim Rundumblick war kein Land mehr zu sehen, nur Meer soweit das Auge reichte, das Gefühl von unendlicher Freiheit.

Bis wir in die Ferne blickten und eine Wasserfontäne realisierten. Die gibt’s im Hafenbecken Enge des Zürisees zwar auch, jedoch anderen Ursprungs. Was wir hier sahen, waren die Wasserfontäne eines Wales. Und nicht nur einer, wir schienen von einer ganzen Familie umgeben gewesen zu sein. Die Delfine zu Beginn sollen an dieser Stelle auch erwähnt werden.

Auf einen eindrücklichen ruhigen Tag folgte dann wieder ein eher unangenehmer Tag. Der Wind war zunehmend und leider auch nicht ganz aus unserer favorisierten Richtung. So peitschten die Wellen von der Seite auf Emil ein. Unter Deck glich das einem Waschmaschinen-Schleudergang bzw. so wie ich mir jenen vorstellte. Nur ohne Überrollen, zum Glück! Gepaart mit der Übermüdung war dies für mich der unangenehmste Teil der Reise. Denn das Schaukeln und Peitschen der Wellen, das Klappern und Klirren des Inventares hörte und hörte nicht mehr auf.

Mittlerweilte waren wir in spanischen Hoheitsgewässern angekommen, die See beruhigte sich langsam wieder und schon bald war Land in Sicht. Was für eine Freude. Wir hatten die Biskaya so gut wie überquert. Am 07.Aug.2016 um 12 Uhr liefen wir nach 78 Stunden und 403 Seemeilen im Hafen von La Coruna ein.

An dieser Stelle ein grosses Dankeschön an Doris und Peter, die uns bei der Überfahrt tatkräftig unterstützt hatten.

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