Atlantiküberquerung – Kapverden –> Grenada

Endlich in der Karibik angekommen!! Freude herrscht 😉

Nach 14 Tagen 23 Stunden sind wir nun endlich in Grenada eingetroffen. Wir sind nach dieser anstrengenden Passage, ausgehend von Mindelo,  in die paradiesische Le Phare Bleu Marina auf Grenada eingelaufen.

Es waren lange 15 Tage und man kann nicht behaupten, dass es eine Kaffeefahrt war. Die erste Hälfte stellte sich  vor allem durch die hohen Wellen (3-4 m) als ziemlich zäh dar. Dafür war der Passatwind mit einer Windgeschwindigkeit von steten 20-30 Knoten sehr stabil, so dass wir Richtung Westen rauschten. Unsere Spitzengeschwindigkeit über Grund lag bei 17 Knoten als wir eine größere Welle herunter surften. Aufgrund des guten Winds hatten wir nie zu viel Segel gesetzt, was uns beim Vorbeiziehen von Gewitterwolken das Reffen ersparte.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Bye bye KapVerden…

Äußerst glücklich sind wir darüber, dass das Material die Atlantiküberquerung ohne Schäden gut überstanden hat. Es wäre nicht auszudenken gewesen, wenn uns beispielsweise der Autopilot ausgestiegen wäre und wir rund um die Uhr hätten steuern müssen. Denn leider stellte sich unsere Windfahnen-Steuerung bei diesen Bedingungen und Kurs als nicht sonderlich zuverlässig dar. Kaum eingestellt ist der uns wieder aus dem Ruder gelaufen.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Land in Sicht - Grenada wir kommen!!
Windfahnen-Steuerung

Somit verblieb uns neben dem Wachdienst auch etwas Freizeit. Martin hatte sich ab und zu, wenn er nicht mit dem Windpiloten kämpfte, dem Fischen gewidmet. Eine ganze Trickkiste mit Super- Ködern hatte er vorgängig zusammengestellt, in der Hoffnung auf den ganz großen Fang. Doch leider war die Ausbeute nicht all zu groß. Die Fische die schlussendlich zugebissen hatten, waren zu schwer oder zu geschickt und sind mit dem Köder entkommen. Doch kurz vor Weihnachten hat es dann  noch geklappt. Neptun hat uns ein Thunfisch geschenkt. Den haben wir dann an Weihnachten und die nächsten Tage genüsslich verspeist. Und wir waren ganz froh, dass es kein grösseres Exemplar war. Auch einige Fliegefische sind uns aufs Deck geflogen, wovon der Pirat mit Bart jedoch immerhin einige retten konnte.

Ein echter Bonito – yuhuuu

 

OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Pirat mit Bart

 

Meine Freizeit habe ich neben dem Lesen vor allem mit Kochen und Backen verbracht. Gut ausgerüstet mit allem Obst und Gemüse das wir in Mindelo so auftreiben konnten, sind wir gestartet. Die Motivation immer täglich frisch zu kochen war zu Beginn sehr groß. Doch mit zunehmender Welle wurde unser Verlangen nach Essen immer geringer. So stiegen wir dann auf Schonkost, wie Pellkartoffeln, Butterbrot oder Bananen um. Auch habe ich versucht unter Seegang Joghurt herzustellen. Nach dem ich mit der ersten Charge die Bordküche einmal mit Milch flutete, hat es dann bei der zweiten Charge geklappt. Schmeckte sehr gut! Leider hat mir der Kapitän dann ein Joghurtproduktionsverbot erteilt. Nach der Hälfte der Strecke konnten wir dann zum Glück auch wieder normal essen und unsere Frischvorräte nutzen sowie bei den Thunfisch-Zubereitungen kreativ werden.

 

Provisioning – Obst und Gemüse

 

20161213_121922
Voll beladen – Marina Mindelo
OLYMPUS DIGITAL CAMERA
Frühsport oder so

Neben diesen alltäglichen Tätigkeiten blieb uns trotzdem sehr viel Zeit zum Nachdenken. Wir ließen die bewegte Kulisse auf uns wirken und hatten oft das Gefühl stillzustehen. Wie in einer Autofahrszene eines alten Filmes in der sich nur der Hintergrund verändert. Auch das Zeitgefühl geht abhanden. Wir lebten in unserem Zeitrhythmus. Das war eine spezielle Erfahrung. Sobald die Nacht hereinbricht verändert sich die Wahrnehmung der Sinne. So war der Gehörsinn um ein vielfaches stärker ausgeprägt. Die normalen Schiffsgeräusche die tagsüber genauso vorhanden waren, erschienen in der Nacht wie bedrohliche Geräusche. Alles Knacken und Klappern und Klirren, das Klatschen der Wellen an den Alu-Rumpf wirkten angsteinflösend, vor allem auch weil man alleine Wache hatte. Da musste man schon schauen, dass man nicht verrückt wird. Aber Musik hören hat ganz gut geholfen. Ich war allerdings immer wieder froh wenn es hell wurde.

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

Zusammenfassend war die Atlantiküberquerung zu zweit eine bereichernde Erfahrung, die wir trotz all den Anstrengungen und der Seekrankheit nicht missen wollten.

Die nächsten Tage werden wir hier in der wunderschönen Le Phare Bleu Marina verbringen, etwas entspannen und schließlich das Jahr 2016 verabschieden.

4 thoughts on “Atlantiküberquerung – Kapverden –> Grenada

  1. Hallo Martin und Eva, gaaaanz herzliche Gratulation zu eurer Atlantiküberquerung zu zweit!!Ich habe auf eure nächste Nachricht hingefiebert und gehofft,dass sie pünktlich kommt um Gewissheit zu haben, dass alles gut gelaufen ist. Ihr seid unglaublich mutig! Und dürft dafür Grossartiges erleben. So schön.
    Nun wünsche ich euch gute Erholung und einen guten Rutsch ins 2017…

    Grüess us de Schwyz
    Claudia

  2. Liebe Eva, lieber Martin!!! Da meine Frau bereits mit Euch geskypt hat, will ich auf diesem Wege Euch alles Liebe und Gute im Neuen Jahr wünschen. Ihr wisst ja, dass wir sehr viele und auch große Steine in unserem Garten haben. Aber es ist kein so großer dabei, wie der, welcher mir vom Herzen gefallen ist, als ich hörte, dass ihr es gschafft habt.
    Passt auf Euch auf und genießt das Leben.

    Roland

  3. Ihr lieben Seeleute
    Mit Freude und grossem Respekt haben Dodo und ich den Fahrtenbericht der Atlantiküberquerung gelesen. Als Segler können wir die Gefühle von Eva in der Nacht, einsam am Ruder, gut nachvollziehen. Ein ganz grosses Bravo an Euch beide, ihr werdet diese Erlebnisse nie vergessen und noch euren Enkeln davon erzählen. Wir haben viel an Eva’s Mutter Ulrike gedacht, denn für sie war es noch schwieriger, die Tochter mit einem wilden Seebären davonziehen, resp.davonsegeln zu lassen. Pe konnte nun auch definitiv, nach anfänglicher Skepsis, von der Qualität der Ovni überzeugt werden und ist glücklich und stolz, dass das Schiff den anspruchsvollen Trip so schadlos überstanden hat.
    Wir freuen uns riesig, euch in der Karibik einige Tage begleiten zu dürfen.
    Eine feste Umarmung und für’s 2017 weiterhin so viel Glück, Liebe und Erfolg.
    Pe&Doris

  4. Liebe Eva, heute Mittag war ich bei meiner Cousine, also deiner Mutter… . Ich durfte dank eures Blog und Ulrikes Erzählungen ein bisschen teilhaben an eurer grandiosen Reise. Ich grüße dich und deinen Mann ganz herzlich und wünsche euch beiden noch viele spannende Abenteuer und immer ausreichend Wind! Herzliche Grüße Erika

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *